Der Lebensretter im Auto: der Dreipunktgurt

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27. Oktober 2013 at 15:00  •  Posted in Sicher im Auto by  •  0 Comments

Nach dem Beginn der Massenmotorisierung hat auch die Zahl schwerer Unfälle rasant zugenommen. Nicht zuletzt waren vor allem die damaligen Fahrwerke, Reifen, Straßenzustände und -beläge daran Schuld, sondern auch sogenannte „Knautschzonen“ von denen Anfang der 50er Jahre noch keine Rede war, geschweige denn von weiteren Sicherheitsmaßnahmen innerhalb der Autos. Mitte der 50er ging es mit einem kostenpflichtigen Flugzeug-Beckengurt schon einmal in die richtige Richtung. Der daraufhin folgende Dreipunktgurt sorgte für zunehmende Sicherheit beim Autofahren – dessen Funktion bis heute erhalten geblieben ist.

Der Lebensretter im Auto sicherer Dreipunktgurt

Der Dreipunktgurt im Auto ist die lebensrettende Sicherheitsmaßnahme beim Fahren (c) Press Andreas Morlok / pixelio.de

Historie zum Dreipunktgurt

Dass Flugzeug-Beckengurte im Auto eher Schwächen waren, als großartige Sicherheitsmaßnahmen, erkannte Mitte der 50er ein schwedischer Flugzeugingenieur: Die Gefahr des Durchrutschens war schlichtweg zu groß. Daraufhin entwickelte dieser ein Anfangsmodell des heute bekannten Dreipunkgurtes.

Erfindung des Dreipunktgurts

1958 war Mercedes dabei, Sicherheitsgurte im Roadster 300 SL einzubauen – jedoch waren diese nur gegen Aufpreis zu erwerben und zudem nur Zweipunktgurte, welche zwar das Rausschleudern aus dem Auto nach einem Unfall verhinderten, jedoch nicht den Halt des Oberkörpers gewähren konnten. Den häufigsten Todesfällen bei Verkehrsunfällen wie Kopf- und Brustkorbverletzungen wurde somit noch immer nicht vorgebeugt. Der Volvo-Sicherheitsingenieur Nils Bohlin hat 1959 den ersten Dreipunktgurt erfunden. Zumindest allein mit der Gurtführung hat sich das „V“ von Volvo bis heute durchgesetzt, welche man leicht mit einer Hand bedienen konnte. Mit der ersten Entwicklung wurden schließlich serienmäßig Dreipunktgurte in allen Volvo-Fahrzeugen eingebaut und erlangte damit einen weltweiten Durchbruch.


1959 konnte man den ersten Dreipunktgurt im Volvo PV 544 und P 120 finden. 1973 rüstete auch Mercedes in seinen Autos eine serienmäßige Ausstattung von Dreipunktgurten auf. Jeder dritte Autofahrer verzichtete dennoch bis Anfang der 80er Jahre auf einen Sicherheitsgurt. Mit Slogans wie „Erst gurten, dann starten“ versuchte man die Autofahrer zum Anschnallen zu bewegen, doch erst 1984 sprangen die meisten Autofahrer darauf an – und sei es nur wegen der eingeführten Geldbuße von 40 D-Mark bei Gurtverweigerung.

Von Unbeliebtheit zur Serienausstattung

In den Anfangszeiten war der Dreipunktgurt weniger beliebt: Zum einen war die Automobilindustrie wenig davon begeistert, mit Dreipunktgurten den Autofahrern ja gerade das Gefühl zu vermitteln, dass Autofahren unsicher sei. Andererseits waren aber auch die Autofahrer selbst oft zu stolz, die Sicherheit nicht zu benötigen. Gründe wie Unbequemlichkeit und Panik vor dem „Gefangensein nach einem Unfall“ waren ebenfalls

Der Lebensretter im Auto Anschnallen

Anschnallpflicht mit einem Dreipunktgurt für jedermann: Vor allem für Kinder im Auto (c) Helga Schwede / pixelio.de

in großem Maße vorhanden. Diese Vorurteile wurden mit der Zeit jedoch aus dem Weg geräumt, nachdem Dreipunktgurte als Serienausstattung eingeführt wurden.

Anschnallpflicht des Dreipunktgurtes

Erst vor 2 Jahren hat der Dreipunktgurt seine 35jährige Anschnallpflicht feiern dürfen: Seit dem 1. Januar 1976 kann man in der Straßenverkehrsordnung die Anschnallpflicht eines Sicherheitsgurtes lesen. Ab wann welche Sicherheitsgurte auf welchen Plätzen vorgeschrieben war, können Sie folgenden Punkten entnehmen:

  • Sicherheitsgurte vorne: Bei Pkw ab Erstzulassung 01.04.70 bzw. spätestens ab 01.01.74
  • Sicherheitsgurte hinten: In Pkws spätestens ab Erstzulassung 01.05.79
  • Sicherheitsgurte in Wohnmobilen: Ab Erstzulassung 01.01.92
  • Dreipunktgurte auf allen Sitzplätzen für Neuwagen ab spätestens 01.10.2004

Der Dreipunktgurt heute

50 Jahre Dreipunktgurt und heute fahren 9 von 10 Autofahrern vorbildlich mit der entsprechenden Sicherheitsmaßnahme. Dies wird vor allem an der Statistik mit dem Ergebnis der unzähligen Unfällen in den vergangenen Jahren liegen, nachdem man festgestellt hat, dass das Anlegen eines Gurtes vor einem Unfall die Überlebenschance um 60 Prozent erhöht.

  • Funktionsweise
  • Richtige Handhabung
  • Kinder
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er heutige Dreipunktgurt erfüllt seinen Zweck über Sensoren, welche starke Fahrzeug-Verzögerungen wie Unfallsituationen erfassen und damit den Gurtstraffer aktivieren. Das Gurtsystem wird, noch bevor der Gurt eine Rückhaltefunktion ausüben kann, straff gezogen. In manchen Automodellen wie Volvo oder Mercedes werden in Unfallsituationen im Sekundenbruchteil die Rückenlehnen aufrecht gestellt und Kopfstützen an den Hinterkopf angelehnt: Dies sorgt für eine zusätzliche Verringerung der möglichen Verletzungsfolgen wie z. B. Schleudertraumas.

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eben dem Air Bag ist der Dreipunktgurt ein ebenso wichtiger Schutz, der Leben rettet. Um den Dreipunktgurt sicher zu vor dem Autofahren zu befestigen, sollte man den Gurt möglichst hoch über den Oberkörper laufen lassen. So ist maximale Rückhaltewirkung bei einem Aufprall gewährleistet. Schwangere sollten den Diagonalgurt oberhalb des Bauches laufen und den Beckengurt möglichst tief sitzen lassen.

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er seine Kinder unter 4 bis 5 Jahren im Auto mitnehmen möchte, sollte über ein Nachrüstset nachdenken: Verlängerte Versionen von Dreipunktgurten dienen als zusätzliche Sicherheitsgurte um Kinder- und Babysitze zu sichern, sobald sich die Eltern auch um einem sicheren Kindersitz für ihre Kinder gekümmert haben. Mit einem Kindersitz Test ist man hier auf der sicheren Seite.
Sobald Kinder in ihrem Kindersitz richtig sitzen können und es außer Gefahr ist, seitlich aus dem Schultergurt herauszuschlüpfen, kann ein Wechsel zu der Nutzung von Dreipunktgurten durchgeführt werden. In der Regel ist dies mit einem Alter von 4 bis 5 Jahren der Fall.
Weitere Nachrüstsets für Kinder sollten angeschafft werden, wenn man sie ins Oldtimer-Hobby mit einbeziehen möchte: Hier sollte ebenfalls auf eine sichere Befestigung der Kindersitze geachtet werden.

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